„Es lohnt sich, für das mächtigste Parlament der Welt zu kandidieren.“ Bundestagsabgeordneter Peter Weiß diskutiert mit Schülern in Emmendingen
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Veröffentlicht am Montag, 14. Mai 2012 12:04
Wie wird Politik heute gestaltet? Wie lebt und arbeitet ein Politiker? Darüber diskutierte der Bundestagsabgeordnete Peter Weiß (CDU) mit rund 60 Oberstufen-Schülern des Emmendinger Goethe Gymnasiums.
Die Schüler beschäftigte vor allem der Politikstil der Piraten-Partei: Alle können sich zu allem jederzeit im Internet einbringen. Ist das nicht, so ein Schüler, eine Aufforderung an das Parlament, den ganzen politischen Prozess öffentlicher zu machen?
Peter Weiß legte dar, dass Demokratie zwar von der öffentlichen Debatte lebe, es aber auch einen Ort der internen Diskussion geben müsse. „Ich befürchte, dass wir sonst kaum noch sachlich an Gesetzen arbeiten könnten. Alles wäre dann politische Werbeveranstaltung.“ Wichtiger sei es, die Öffentlichkeit früher an politischen Entscheidungen zu beteiligen, auch bei der öffentlichen Anhörung von Fachexperten: „Es kommt alles recht früh auf den Tisch. Nur findet die öffentliche Debatte zu spät statt, vor allem bei europäischen Gesetzesvorhaben.“ Hier informierten die Medien bislang unzureichend. „Wir tun so, als gäb´s Europa nicht und wir würden alles alleine regeln. Dabei kommt rund die Hälfte der Gesetze, die wir durch den Bundestag bringen, aus Europa.“
Was bringt mir denn politisches Engagement?, fragte eine Schülerin.
Lebenserfahrung, erklärte der Abgeordnete. „Ich empfehle jedem, zuerst Gemeinderat zu werden!“ Es beschere Erfolgserlebnisse – Ich kann mit meinem Engagement etwas bewirken! „Allerdings müssen wir in der Politik auch Frustrationstoleranz entwickeln. Für einen Erfolg braucht es manchmal mehrere Anläufe“, sagte Weiß.
Aber warum will heute kaum einer Politiker werden? Braucht es mehr finanzielle Anreize?
Es sei wichtig, so Peter Weiß, zunächst einmal ein berufliches Ziel anzustreben und dann von dort aus in die Politik einzusteigen. Ein angemessenes Gehalt sei wichtig, damit der Politiker unabhängig bleibe. „Aber wer richtig viel Geld verdienen will, sollte nicht Politiker werden.“
Verstehen ältere Politiker, die „an ihren Sesseln kleben“, überhaupt noch die jungen Menschen, fragte eine Schülerin.
Peter Weiß erklärte, dass sich jeder Abgeordnete auf Sachgebiete spezialisiere, für die er dann der Fachmann im Parlament sei. Sein Spezialgebiet – Altersvorsorge und Rente – sei eigentlich ein Thema gerade für Junge und nicht für Senioren, die ja bereits Rente beziehen. Über die persönlichen Beziehungen des Politikers – der selbst Familienvater ist – bis zu Programmen wie „Jugend und Parlament“ sei aber gewährleistet, dass sich alle Altersgruppen mit ihren Belangen Gehör verschaffen können. Von einer Amtszeitbegrenzung allerdings halte er nichts, es würde die Qualität der parlamentarischen Arbeit verschlechtern. „Die ersten vier Jahre im Parlament ist man ein Lehrling.“
Und wie sieht es mit dem persönlichen Erfolg aus?
„Es ist schön zu sehen, wenn man auf den Feldern, die man jahrelang beackert, Erfolg einfährt, wie z. B. bei der Altersvorsorge, für die ich mich seit Jahren stark mache.“ Und, darauf verwies der Bundestagsabgeordnete mit Nachdruck: „Der Deutsche Bundestag ist das mächtigste Parlament der Welt. Es lohnt sich, dafür zu kandidieren. Als Abgeordneter haben Sie auf Ihrem persönlichen Fachgebiet wirklich das Sagen.“
Text: Eva Flatau
Foto: Eileen Woestmann